Mehr als nur Anfeuern: Wie Fußballfans den Klimaschutz erobern

Von Dortmund bis Brentford: Fußballfans setzen sich zunehmend für Nachhaltigkeit ein und fordern von ihren Vereinen konkrete Maßnahmen zum Umweltschutz. Mit Initiativen wie Ökostromtarifen und gemeinschaftlichen Gartenprojekten zeigen sie, dass ihre Leidenschaft über das Spielfeld hinausgeht und einen positiven Beitrag zur Reduzierung von CO₂-Emissionen sowie zur Förderung der Biodiversität leistet. Die Fans wandeln sich somit vom passiven Zuschauer zum aktiven Gestalter einer umweltfreundlicheren Zukunft des Fußballs.

Fußball und Klimaschutz

Dortmunds Vorreiterrolle: Fans als Klimahelden

Der Bundesligaverein Borussia Dortmund nimmt in Sachen Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle ein – nicht zuletzt dank der aktiven Beteiligung seiner Fans. Bereits im Jahr 2013 schlossen sich die Anhänger des Vereins mit der Stiftung und dem Ökostromanbieter LichtBlick zusammen, um „Strom 09” ins Leben zu rufen. Dieser Ökotarif ermöglicht es den Fans, ihren Strom aus erneuerbaren Energien zu beziehen und so die CO₂-Emissionen des Vereins zu reduzieren. Bis Ende 2019 konnten so beeindruckende 81.365 Tonnen CO₂ eingespart werden – das entspricht einer Tonne pro Sitzplatz im Signal Iduna Park. Die Einnahmen aus „Strom 09” flossen zudem in die Unterstützung lokaler Gemeinschaftsorganisationen. Dortmunds Engagement für die Umwelt umfasst auch Biodiversitätsprojekte wie die „Borsig-Bienen” und Naturlehrpfade rund um das Stadion. Carsten Cramer, Marketingleiter von Borussia Dortmund, betont: „Unsere Fans sorgen nicht nur für die beste Stimmung im Stadion, sondern auch weit darüber hinaus. Das ist ein wichtiges Signal, besonders in Zeiten wie diesen.“

Brentford geht voran: Nachhaltigkeit von Fans für Fans

Der FC Brentford aus West-London geht das Thema Nachhaltigkeit ähnlich ambitioniert an. Hier ist es vor allem die unabhängige Fangruppe „Sustaina-Bees”, die den Verein bei seinen grünen Zielen unterstützt. Die „Sustaina-Bees” bestehen aus umweltbewussten Brentford-Fans, die aktiv an der Gestaltung der Nachhaltigkeitsstrategie des Vereins mitwirken. Ein konkretes Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist der „Gtech Community Garden” in der Nähe des Stadions. Mit Wildblumen, Kräutern und einem Bienenstock fördert er die Artenvielfalt. Ein weiteres Highlight war die Organisation von geführten Radtouren zum Heimspiel gegen Fulham. Unter dem Motto „Bike to Brentford” radelten die Fans gemeinsam zum Stadion und erhielten dort Verpflegungsgutscheine. James Beale, der Nachhaltigkeitsmanager von Brentford, erklärt: „Mit Initiativen wie dieser beziehen wir die Fans von Brentford in unser Nachhaltigkeitsprogramm ein. Das Fahrradfahren zum Spiel ist bereits sehr beliebt, und wir hoffen, dass die teilnehmenden Fans feststellen, dass es sicher, leicht zugänglich ist und eine großartige Möglichkeit bietet, eine Gemeinschaft mit anderen Fans aufzubauen.“

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Fan-Aktivismus im Aufwind: Vereine unter Zugzwang

Der Trend ist eindeutig: Fangruppen wandeln sich zu Umweltaktivisten. Sie nutzen formelle Kanäle wie Aktionärsversammlungen oder den Druck von unten, um von ihren Vereinen konkrete Maßnahmen zu fordern. Die ökologischen Herausforderungen sind enorm, denn der Fußball verursacht jährlich weltweit mehr als 30 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen. Ein großer Teil davon entfällt auf die Reisen der Fans. Während die Vereine Nachhaltigkeit oft als Nebensache betrachten, sehen die Fans darin eine Verpflichtung. Gruppen wie „Gunners for Change” und „United for Sustainability” starten Petitionen und fordern Anreize für den öffentlichen Nahverkehr, mehr Transparenz bei der Emissionsberichterstattung sowie Veränderungen in den Lieferketten der Vereine. In Deutschland können die Fans aufgrund ihrer traditionell starken Beteiligung sogar Umweltanträge auf den Hauptversammlungen einbringen.

Eine neue Definition von Fandom: Engagement für den Planeten

Die Initiativen in Brentford und Dortmund zeigen, dass das Engagement der Fans messbare Ergebnisse bringt: Dazu gehören CO₂-Reduzierungen, betriebliche Veränderungen und ein breiteres Bewusstsein. Es geht nicht um PR, sondern um echten Aktivismus. Fans sind nicht nur Zuschauer, sondern auch wichtige Akteure. Sie definieren neu, was es bedeutet, seinen Verein zu lieben. Angesichts des Klimawandels, der den Fußball vor existenzielle Herausforderungen stellt, fordern sie, dass der Sport seinen Beitrag zur Zukunft unseres Planeten leistet. Die Vereine stehen vor der Wahl: Entweder sie übernehmen eine Führungsrolle oder sie lassen sich von den Fans treiben. So entsteht eine neue Definition von Fandom: Das Anfeuern der eigenen Mannschaft bedeutet auch, den Planeten zu unterstützen.

Fußballfans ergreifen die Initiative, um eine umweltfreundlichere Zukunft für ihren Sport zu gestalten. Ihr Engagement zeigt, dass sich Leidenschaft für den Fußball und Verantwortung für den Planeten nicht ausschließen. Die Vereine sind aufgefordert, diesen Trend zu erkennen und gemeinsam mit ihren Fans nachhaltige Lösungen zu erarbeiten.